Eine japanische Andon-Laterne mit E27-Fassung, deren zentrales Panel eine 16×16-LED-Matrix ist. Sie animiert einen 12-Posen-Sonnengruß als ruhige Bewegungsanleitung. Gesteuert von einem Raspberry Pi Pico (CircuitPython) über Schieberegister und Zeilendekoder – Achtsamkeit trifft auf technische Präzision
Namen der teilnehmenden StudentInnen in alphabetischer Reihenfolge: Eike Scholten
Ausgangspunkt des Projekts war die Kursaufgabe im Modul Media-Objects, ein Alltagsobjekt zu entwickeln, das über eine bestehende E27-Lampenfassung mit Strom versorgt wird. Erste Überlegungen kreisten um eine intelligente Badezimmerleuchte mit Zähneputz-Countdown und Wetteranzeige, ergänzt um kurze Dehnimpulse gegen morgendliche Verspannungen. Aus diesem Zusatzgedanken entwickelte sich der eigentliche Kern des Projekts: nicht Information, sondern Bewegung und Achtsamkeit zu vermitteln. Recherchen zu häufig verkürzten Muskelgruppen wie Nacken, Brust, Hüftbeuger, Oberschenkelrückseite und Waden lieferten die fachliche Basis für die Auswahl geeigneter Yogapositionen. Parallel zeigten Skizzen und eine morphologische Matrix, dass ein Punktraster-Display die klarste, ruhigste Form der Darstellung bietet.
Übersicht häufig verkürzter Muskelgruppen und zugehöriger Dehnpositionen als fachliche Recherchegrundlage.
Ausgehend von der ersten Idee einer smarten Badezimmerleuchte wurde das Konzept in einer morphologischen Matrix geöffnet. Sechs Lichtkonzepte für Alltagsräume entstanden, darunter ein Aufzugslicht, eine interaktive Bushaltestelle und ein Feedbacklicht für Bewegungsausführung im Fitnessstudio. Letzteres erwies sich als vielversprechendste Richtung und führte zur Idee einer geführten Bewegungssequenz. Der Sonnengruß mit seinen klar abgegrenzten Posen eignete sich ideal für ein Punktraster-Display, verbunden mit der Formsprache einer japanischen Andon-Laterne: die Yoga-Andon.
Morphologische Matrix mit sechs untersuchten Lichtkonzepten für unterschiedliche Alltagsräume.
Mindmap zu möglichen Einsatzorten eines E27-Objekts, ausgehend von der ersten Idee einer Badezimmerleuchte.
Erste Layoutskizzen und Formvarianten für das Leuchtobjekt.
Bewegungsreferenzen zur Auswahl ausdrucksstarker Körperhaltungen.
Erste Übertragung ausgewählter Posen in ein Pixel-/Rastermuster.
Vom ersten Cardboard-Modell mit Glühbirne und handgezeichnetem 16×16-Raster ging es zur technischen Umsetzung mit echter LED-Matrix. Zuvor wurden zwei Anzeigeprinzipien als Quick-and-dirty-Prototypen gegenübergestellt, eine umblätternde Flipboard-Anzeige und eine LED-Matrix, wobei sich Letztere als ruhiger und stimmungsvoller animierbar erwies. Ein Missverständnis bei der Hardware, die Boards wurden zunächst für adressierbare WS2812-LEDs gehalten, erforderte einen Neustart der Programmierung, da tatsächlich gescannte Monochrom-Matrizen mit Schieberegistern verbaut waren. Mit einem Raspberry Pi Pico und CircuitPython entstand der finale Code für alle zwölf Posen inklusive weicher Übergänge. Parallel wurden Gehäuse, Poster und Präsentation im Andon-Stil gestaltet und der Prototyp final zusammengebaut.
Quick-and-dirty-Prototyp nach dem Prinzip einer umblätternden Flipboard-Anzeige.
Quick-and-dirty-Prototyp der LED-Matrix-Anzeige.
Der Prototyp der Yoga-Andon besteht aus einer 16×16-LED-Matrix, zusammengesetzt aus vier 8×8-Modulen, die über Schieberegister und Zeilendekoder angesteuert werden. Ein Raspberry Pi Pico mit CircuitPython übernimmt die Steuerung und zeigt alle zwölf Posen des Sonnengrußes mit sanften Übergängen an. Das Gehäuse wurde 3D-gedruckt und greift die Form einer japanischen Andon-Laterne auf, mit integrierter E27-Fassung als Stromquelle, sodass Technik und Ästhetik zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen.
Fertiger Prototyp mit leuchtender Yoga-Pose auf dem Schreibtisch.
Der Prototyp im Testbetrieb am Arbeitsplatz.
Alle zwölf Posen des Sonnengrußes im Überblick.